Höhepunkte des Vereinslebens

 

Der bisherige Höhepunkt des Vereinslebens der letzten Jahre war sicherlich die Planung und die Beschaffung der Mittel für den Bau des Hochspeichers und die Ausführung des Projektes im Jahre 2005.

Möglich war das nur durch die große Unterstützung der Leiterin der damals noch bestehenden Verwaltungsgemeinschaft Altmark Mitte, Frau Michaels sowie Herrn Schulze von der Volksbank Kalbe/ Milde, die eine Finanzierung über die Volks- und Raiffeisenbankenstiftung Norddeutschland möglich machten.

Die langjährige gute Zusammenarbeit der Langobardenwerkstatt mit der Zimmereifirma Nils Gnoth aus Salzwedel war letztendlich die Grundlage für den sachgerechten Aufbau des Speichers. Bei den Planungen und Entwürfen war es bereits möglich, nach zimmermannstechnischen Lösungen zu suchen, die bereits den Langobarden bekannt gewesen sein könnten. Erstmals konnte auch für die Langobardenwerkstatt der Versuch unternommen werden, das Dach mit gespaltenen Holzschindeln zu decken. Während des Speicheraufbaus, der sich als viel komplizierter und langwieriger erwies als geplant, kam es immer wieder zu bautechnischen Problemen, die besprochen, gelöst und letztlich auch mit heutigen Sicherheitsbestimmungen in Einklang gebracht werden mussten. Auch deshalb ließ sich eine rein „archäologische Rekonstruktion“ nicht erstellen. Allerdings ist natürlich die Befundsituation eines Hochspeichers sowieso sehr schlecht. Bestenfalls Pfostensetzungen lassen sich heute noch nachweisen. Hier kann nur der Vergleich mit moderneren Speichergebäuden dieser Art weiterhelfen. So konnte der Hochspeicher erst im November 2005 fertiggestellt und durch den Förderverein an den Landkreis übergeben werden. Die für den Sommer geplante Übergabe an den Verein, hatte sich noch auf den Rohbau beschränken müssen.

Ein besonderer Höhepunkt im Vereinsleben, stellt in jedem Jahr der Aktionstag „Essen und Trinken“ bei den Langobarden und Römern dar. Insbesondere tun sich hier die Vereinsmitglieder Barbara und Harald Hache im Heraussuchen und Ausprobieren alter Rezepte hervor, die dann in Zethlingen eine immer größer werdende Abnehmerschar finden. Auch der langjährige Langobardenkoch Uli Papenfuß und die Bäcker Manuela und Detlef Netzband sind hier in ihrem Element.

Die Durchführung der Werkstattwochenenden wäre ohne die dabei in Aktion tretenden Vereinsmitglieder aller Altersklassen überhaupt nicht mehr möglich. Hier kann sich jeder einbringen und seine besonderen Möglichkeiten und „Vorlieben“ ausleben. Sei es beim Eisenverhütten, beim Kochen, Backen, Färben, Bogenschießen oder auch Musizieren u.a.m..
Reißenden Absatz findet der durch Helga Haß oder Heidi Papenfuß bereitete, nicht ganz typische, langobardische Zuckerkuchen, der an diesen Tagen allerdings nicht mehr wegzudenken ist.

Im Jahr 2006 weilten 2 verschiedene Fernsehteams des MDR in der Langobardenwerkstatt. Dabei wurden Filmaufnahmen für 2 abendliche Reisesendungen gedreht, die auch 2006 gesendet wurden. Zum einen handelte es sich um die sehr informative Sendung „Schau ins Land“ mit Ines Krüger und um die mehr volkstümlich angehauchte Produktion „Adams Reisen“. Eigens für den Auftritt in Zethlingen war dazu eine Gruppe aus Österreich auf den Mühlenberg gekommen. Nachdem sie feststellen mussten, dass es auf der ganzen Strecke kein einziges richtiges „Kaffeehaus“ gegeben hatte, das am frühen Morgen bereits geöffnet war, nahmen sie auch mit dem guten Langobarden- Kaffee vorlieb. Erst danach mussten die Musikanten vor den skeptischen Blicken und Ohren der „Langobarden“ ihr Bestes geben.

Mittlerweile ist es auch zur guten Tradition geworden, dass der Verein alljährlich in der Vorweihnachtszeit Bilanz zieht und dabei natürlich, wenn nötig, auch die unvermeidlichen Neuwahlen durchführt. Im Anschluss wird am Feuer des Grubenhauses noch weiter gefachsimpelt. Dabei werden traditionelle wärmende Getränke verabreicht aber auch germanische Themen zum Vortrag gebracht.

Die Höhepunkte der Jahre 2008 und 2009

Das Problem, das den Zethlinger Langobarden und ihren Besuchern seit Beginn die größten Unannehmlichkeit bereitete, konnte im Jahr 2008 endlich gelöst werden. Die Langobardenwerkstatt besitzt seit Ende des Jahres eine funktionierende Toilettenanlage. Möglich war die Errichtung eines speziellen Toilettencontainers geworden, nachdem der Träger der Werkstatt, der Altmarkkreis Salzwedel, sowohl die Planungen als auch den Großteil der Finanzierung übernommen hatte und der Förderverein einen lange angesparten Eigenanteil von ca. 4000€ zusagen konnte.

Nachdem auch alle rechtlichen Fragen mit der Gemeinde Zethlingen geklärt waren, konnte im Sommer 2008 die vorgesehene Fläche für die Ausfahrgrube als auch die Standfläche für den Container archäologisch ausgegraben werden. Die Grabungen erfolgten zusammen mit Schülern des Gymnasiums Osterburg und innerhalb eines Grabungspraktikums durch Studenten der Uni Magdeburg. Allerdings ergaben die Ausgrabungen in diesem Bereich des Werkstattgeländes nur, dass hier erhebliche moderne Störungen vorlagen. Es wurden keine archäologisch relevanten Funde oder Befunde entdeckt.

Nachdem die Vorarbeiten geleistet waren, konnte noch im September der Container aufgestellt und an die neu verlegten Leitungen angeschlossen werden. Da er aber wie ein Fremdkörper im Gelände gewirkt hätte, bekam er eine Holzverkleidung und ein Holzschindeldach. Diese Arbeiten zogen sich letztendlich bis in den Dezember hinein, konnten aber dank der beteiligten Firmen und des Altmarkkreises Salzwedel auch noch 2008 zum Abschluss gebracht werden. Damit war die Langobardenwerkstatt für die neue Saison gut gerüstet. Neben einer Damen- und Herrentoilette steht nun auch eine Behindertentoilette zur Verfügung, was besonders für die recht häufigen Besuche durch Behindertengruppen aus aller Welt einen erheblichen Fortschritt darstellt. Eine besonderes Ereignis im Jahr 2008 war tatsächlich der Besuch einer Gruppe behinderter Jugendlicher aus Israel, die zusammen mit Schülern und Lehrern der Gerhard- Schöne– Schule Wolmirstedt in der Langobardenwerkstatt weilten.

Auch das Fernsehen interessierte sich 2008 für uns, so war am Saisoneröffnungstag, dem 1. Mai, ein MDR- Team auf dem Mühlenberg. Der Beitrag wurde noch am gleichen Abend gesendet. Am 14. November drehte die „Gruppe 5 Filmproduktion“ im Auftrage von ZDF und arte in der Werkstatt einige Sequenzen über die Eisenverhüttung zur Zeit der Germanen. Die Aufnahmen sollten in eine größere Filmproduktion über die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 einfließen. Bekanntlich jährte sich die „Varusschlacht“ 2009 zum 2000 Male.

Im Jahr 2009 stand eine weitere größere Umgestaltung des Geländes im Mittelpunkt der Planungen. Der ursprüngliche Kultplatz hatte 2008 dem Toilettenneubau weichen müssen und im westlichen Bereich des Werkstattgeländes befand sich eine bis dahin nicht nutzbare Fläche. Dort waren vor 1990 Berge von Lesesteinen vom angrenzenden Feld abgeschüttet worden. Diese ungenutzte Fläche sollte zwar schon seit längerem in die Werkstatt einbezogen werden aber nun erst gab es auch die Gelegenheit dazu. Denn als 2008 die Ausfahrgrube für die Toilette ausgeschachtet wurde, blieb ein großer Kiesberg zurück. Damit war es nun möglich geworden den alten Abfallplatz zu planieren und zugleich die Fläche für den neuen Kultplatz zu einzuebnen.

Am 18. August 2009 war es dann soweit. Nachdem die Pläne erarbeitet und entsprechende Bäume ausgesucht waren, begann eine Gruppe Studenten der Uni Magdeburg unter Leitung ihres Dozenten Dr. Eckart Frey, während ihres diesjährigen Sommerpraktikums auf dem Zethlinger Mühlenberg gemeinsam mit Mitarbeitern der Langobardenwerkstatt und Mitgliedern des Fördervereins den vorgesehenen Platz zu planieren und mit dem Kies aufzufüllen. Eine sehr schwere Arbeit, die nur mit Hilfe eines Radladers zu bewältigen war. Dann wurden zwei Bäume aus dem Wald geholt, die der Revierförster ausgesucht und ein Waldbesitzer kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Die Bäume bekamen „Gesichter und Geschlechtsmerkmale“ und konnten nach einigen Tagen aufgerichtet werden. Daneben wurde das Gelände durch einen Palisadenzaun vom Werkstattgelände abgetrennt und ein Steinaltar, der mit einer Erdabdeckung versehen ist, aufgebaut. Nach fast 2 Wochen intensiver Arbeit konnte der neue Kultplatz am 27. 08. 2009 feierlich eingeweiht werden (5). Damit erhielt die Langobardenwerkstatt Zethlingen eine weitere Attraktion, die inzwischen durch die Besucher auch gut angenommen wird. Zudem wurde dadurch nun auch der letzte ungenutzte Werkstattbereich nutzbar gemacht und das Gesamtbild abgerundet.

Der Kultplatzbau war aber nicht die einzige Aktivität im Jahre 2009. Insbesondere durch den Einsatz kurzfristig Beschäftigter konnten einige weitere größere Veränderungen vorgenommen werden. So wurde das bereits 1991/ 92 errichtete „Webhaus“ (2) umgestaltet, es bekam endlich, entsprechend des Ausgrabungsbefundes, einen abgesenkten Fußboden. Zudem wurden Fensterluken eingebrochen und eine Herdstelle eingebaut. Der First sowohl dieses Hauses als auch des benachbarten kleinen Wohnhauses (10) wurde mit Langstroh gedeckt und ein neuer Kochherd konnte noch nach Saisonende unter dem Schleppdach (14) eingeweiht werden. Zudem wurde auch die Langobardenküche an das bestehende Abwassersystem angeschlossen. Auch der Baumbestand des Geländes erhielt 2009 durch das Anpflanzen von alten Wildobstsorten attraktiven Zuwachs.

Weitere wichtige Termine für die Werkstatt waren u. a. natürlich die Ausstrahlung des 2008 gedrehten Zweiteilers über die „Varus- Schlacht“ im März 2009 sowie der Besuch einer Schüler- und Lehrerdelegation aus Italien und Ungarn am 7. April. Dieser ergab sich im Rahmen eines durch die Robert- Bosch- Stiftung geförderten gemeinsamen Schulforschungsprojektes über die Langobarden in Europa, das durch den Osterburger Gymnasiallehrer Volker Schütte in Zusammenarbeit mit der Langobardenwerkstatt und der Universität Magdeburg vor einigen Jahren inszeniert wurde.

Alles in allem waren die Jahre 2008 und 2009 überaus erfreuliche und erfolgreiche Jahre für die Zethlinger Langobarden. So spricht auch die höchste bisher auf dem Mühlenberg erreichte Besucherzahl von fast 5 000 Besuchern in den nur fünf Monaten der Saison 2009 auf dem noch immer etwas abgelegenen Zethlinger Mühlenberg für sich.


Die Höhepunkte des Jahres 2010


Seit Juni 1990 entwickelte sich die Langobardenwerkstatt Zethlingen zu dem was sie heute ist. Daher wurde am 1. Mai 2010 das 20jährige Bestehen der Werkstatt mit einer Festveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Zethlingen gefeiert. 90 Gäste kamen zu dieser Veranstaltung nach Zethlingen. Sie war geprägt durch mehrere Vorträge zur Geschichte der Werkstatt aber auch der Landrat des Altmarkreises Salzwedel, Michael Ziche, ließ es sich nicht nehmen zu diesem Tage ein Grußwort zu entrichten. Ansonsten war das Jahr geprägt durch den Umbau des Ausstellungshauses, in welchem am 1. Mai 2011 eine neue Ausstellung präsentiert werden wird sowie durch weitere Ausstellungsvorbereitungen. Dazu war es zuerst nötig das Dach der Hütte zu erneuern, was im Spätsommer des Jahres erfolgen konnte, nachdem die noch Ende 2009 beantragten Fördermittel endlich freigegeben und verfügbar waren. Während zweier Studentenpraktika wurden 2010 einige der Häuser, insbesondere das Webhaus, farblich gestaltet. Zudem wurde das Webhaus eingerichtet, d.h. mit einfachen Möbeln und einer funktionsfähigen Herdstelle versehen. Zur farblichen Gestaltung der Häuser, den theoretischen Überlegungen und der praktischen Umsetzung der nun folgende Beitrag:

Eisen auf Lehm - die farbliche Gestaltung der germanischen Wohn- und Arbeitshütten in der Langobardenwerkstatt Zethlingen von Bianca Bornstedt, Otto- von- Guericke Universität Magdeburg, 2010

„Nicht einmal Bruchsteine oder Ziegel sind bei ihnen in Gebrauch; sondern zu allem verwenden sie Bauholz in unbearbeitetem Zustand und ohne Rücksicht auf erfreuliches Aussehen. - Doch manche Stellen bestreichen sie ziemlich sorgfältig mit Erde, die so rein und glänzend ist, dass sie ähnlich wie Bemalung mit farbigen Feldern aussieht.“ (Tacitus Germania 16,2)

Mit diesen etwas abfällig wirkenden Worten bewertete Tacitus die germanische Baukunst. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass der Autor jemals in Germanien war, ist es verständlich wie primitiv die nur aus Holz, Lehm und Stroh oder Schilf errichteten Gruben- und Langhäuser der Germanen im Gegensatz zu den römischen Prachtbauten gewirkt haben müssen. Dennoch erfahren wir durch Tacitus, dass die Wände der germanischen Häuser keineswegs nur in einfach gekalktem Weiß oder gar nur in braunem Lehmton gehalten waren. Im Gegenteil, die farbliche Gestaltung muss an einigen Stellen auffällig hervorgetreten sein. Zu klären bleibt, ob es sich bei der Bemalung lediglich um eine Wetter abweisende Schutzschicht handelte, dagegen spricht allerdings das Zitat, ob sie nur der ästhetischen Ausschmückung diente oder beidem. Es ist aber Tatsache, dass es in der menschlichen Natur liegt, nach Ästhetik und damit nach Lebensqualität zu streben. Allerdings variiert die jeweilige Vorstellung davon sowohl in den verschiedenen Epochen der Menschheit als auch in den Lebensphasen eines Menschen sowie in den kulturell unterschiedlichen Regionen.

Die Gestaltung der Hütten auf dem Zethlinger Mühlenberg
Diese Überlegungen stellen den Ausgangspunkt für ein Projekt im Rahmen eines Geschichtspraktikums dar. Dafür wurde ein Konzept zur Gestaltung der Hütten der Langobardenwerkstatt auf dem Zethlinger Mühlenberg entworfen und dann auch umgesetzt. Dabei stellte sich zunächst die Frage: Welche Motive angebracht werden könnten um möglichst authentisch den Stil der Elbgermanen darzustellen? Leider ist keine mit Mustern, Bildern oder Ornamenten versehene Lehmwand aus germanischer Zeit bis heute erhalten geblieben. Aufgrund des teilweise organischen Anteils im Material und aber auch vor allem wegen der Nässeanfälligkeit des ungebrannten Lehms ist eine auf Dauer dem Wetter ungeschützt ausgesetzte Lehmwand äußerst vergänglich. Lediglich in Folge antiker Hausbrände, während der Teile des Lehms hart gebrannt wurden, lassen sich kleine Fragmente dieser Wände manchmal noch bei Ausgrabungen finden. In den archäologischen Funden kann man dann aber nur noch Reste der Farbbeschichtungen nachweisen. Die Suche nach historischen Vorgaben muss also anderweitig betrieben werden. Da aber auch die schriftlichen Quellen in diesem Punkt nicht weiter helfen, müssen andere archäologische und kunstgeschichtliche Zeugnisse als Wegweiser dienen. Um heraus zu finden, welche ästhetischen Vorstellungen die Germanen der römischen Kaiserzeit besaßen bzw. welche Gestaltungsprinzipien bei ihnen angewandt wurden, ist es nötig sich sowohl Kunst- als auch Alltagsgegenstände dieser Zeit anzuschauen.

Schmuckstücke und Schmiedekunst
Zum kunstvollsten Zierrat der Germanen zählten wohl die Fibeln. Sie dienten nicht nur zur Befestigung der Gewandung, sondern waren oft auch künstlerisch verziert und stellten somit eine wichtige Schmuckform dar. Die Bandbreite reicht von einfachen geometrischen Mustern bis hin zu Tierdarstellungen. Das hier übernommene Muster stammt von einer Fibel mit abgerundeter Hakenkreuzform. Die vermutlich die Sonne symbolisierende Fibel war aus vergoldetem Silber gefertigt worden. Sie stammt aus dem 3. Jh. und wurde in Häven, Kreis Sternberg (Mecklenburg - Vorpommern) gefunden.

Andere Schmuckstücke, wie ein in Dessau - Großkühnau gefundener Bronzehalsring, dienten als Vorlage für eine senkrechte Borte, welche sich der bei den Germanen häufig beobachtbaren Kombination von geometrischen und runden Formen zusammen mit geraden Linien bedient.

Für die Gestaltung der Hauswände ebenso mustergebend war eine weitere Gruppe von Gebrauchsgegenständen. Die in vielen Urnengräbern gefundenen Knochenkämme weisen zumeist unterschiedliche Kreismuster auf.

Es gab verschiedene Kombinationen der Kreise. Sie waren entweder zur Sonne angeordnet, wie auf einem im Zethlinger Grab 11 gefundenen Kamm, oder es waren kumulative, d. h. „haufenförmige“ Kreisgebilde, wie sie auf aus Wahlitz (Landkreis Jerichower Land) stammenden Funden der frühen römischen Kaiserzeit zu sehen sind. Die Dreieranordnung lässt sich auch häufig auf Urnen dieser Zeit nachweisen.

Muster anhand von regionalen Urnenfunden
Auf den zur Brandbestattung genutzten Urnen lassen sich in der Tat die verschiedensten Muster finden. Sowohl streng geometrische Formen als auch abgerundete Linienmuster oder auch Kreise sind hier typisch. So stammt eine Wandbordüre im Innern des Grubenhauses von der Urne mit der Inventarnummer DM V1872, die ebenfalls auf dem Zethlinger Mühlenberg gefunden wurde.

Die Vielfalt der verschiedenen Urnenmuster machte es möglich jeder Hütte ein individuelles Aussehen zu geben. So wird die Frontansicht des kleinen „Waffenhauses“, einer hauptsächlich für Ausstellungen genutzten Hütte, durch ein symmetrisches Muster einer in Cheine (Altmarkkreis Salzwedel) gefundenen Urne vervollständigt. Das sorgt dafür, dass der Eingangsbereich dieser Hütte auf den Besucher der Werkstatt durchaus einladend wirkt.

Man kann natürlich nur mutmaßen, ob eine derartige Gestaltung auf die Germanen ebenso einladend gewirkt haben könnte, doch sind die verwendeten gestalterischen Elemente ihren eigenen Erzeugnissen entnommen und stellen keine Phantasiegebilde dar.

Das Webhaus und seine besonderen Attribute
Die Gestaltung des Webhauses stellte den Schwerpunkt der Recherche sowie der Gestaltung dar. Das Anliegen bestand darin dem Charakter des Gebäudes gerecht zu werden. Es ist zum einen als kleines Wohnhaus eingerichtet mit Herdstelle und Bett und zum anderen stellt es wegen des aufgestellten Webstuhles eine Arbeitsstätte dar. Es handelt sich also um ein leicht feminin geprägtes Haus, welches sowohl für handwerkliche Arbeit aber auch für landwirtschaftlichen Ertrag wie Flachs und Wolle und damit auch Fruchtbarkeit im weiteren Sinne steht.

Die an den Seitenwänden verwendeten Rechtecke mit durch jeweils ein Andreaskreuz getrennten dreifachen Kreisen lassen sich auf verschiedenen Fundstücken nachweisen. So ist dieses Muster wiederholt auf Urnen zu sehen, aber auch auf einem Dreilagenkamm des 5. Jahrhunderts aus Naumburg zu finden. Es fügt sich in die Wandmitte ein, nimmt der bloßen weiß gekalkten Wand die Kälte und sorgt für eine wohnlichere bzw. wärmere Atmosphäre. Die vordere Giebelinnenseite dagegen wird durch verschiedene Motive bestimmt.

Die etwas verspielt wirkenden Muster treffen hier auf die klaren geometrischen Begrenzungen durch Türrahmen, Mittelpfosten und die Dachschrägen. Das Kreismuster entstand in Anlehnung an die auf Knochenkämmen gefunden Beispiele. Da diese Seite der Hütte im Westen liegt, fällt das morgendliche Sonnenlicht durch die gegenüberliegenden Fenster auf die Front. Da solche Kreisaugenmuster in der Regel als Sonnensymbole interpretiert werden, scheint es passend, dass das Morgenlicht auf diese Symbole fällt. Dass die Germanen astronomische Beobachtungen dokumentierten und diese auch mit ihren Kulten verflochten oder in der Landwirtschaft anwandten, ist anhand des Aufbaus ihrer Kultstätten und an anderen materiellen Zeugnissen zu vermuten. Das Sonnensymbol über der Tür kann hier also sowohl kultisch als auch landwirtschaftlich interpretiert werden oder aber auch einfach nur als ein für das Leben stehendes Symbol.

Den landwirtschaftlichen bzw. den „ernährenden“ Charakter unterstützt zudem die Darstellung der Rinder. Das Rind war mit Abstand das wichtigste Haustier der Germanen. Zwar schreibt Tacitus: „Nicht einmal bei den Rindern gibt es die ihnen eigene Stattlichkeit und die Zierde der Stirn; nur an der Zahl haben sie ihre Freude, und überhaupt ist das ihr hochgeschätzter Reichtum.“ (Tacitus, Germania. 5), dennoch lässt sich die enorme Bedeutung dieses Haustieres für die Germanen hier und an den Ausgrabungsergebnissen erkennen. Das Rind diente als Hauptfleischquelle und als Zugtier. Verwendung fanden aber auch die Knochen (Nadeln), das Fell (Leder) und die Hörner (Trinkhörner, Musikinstrumente). Darstellungen dieses Tieres lassen sich zwar nicht auf Urnen nachweisen, bestenfalls symbolisch, aber kleine Bronzefiguren aus dem 3. u. 4. Jh. n. Chr., Rinderfiguren bei Potsdam gefunden, stellen laut Rosemarie Seyer eine „elbgermanische Besonderheit“ dar. Bildhafte Darstellungen aus der Zeit vor dem 6. Jh. sind generell sehr selten. Dennoch lassen sich auf Fibeln und Brakteaten, einseitig geprägte münzähnliche Schmuckscheiben, die als Amulett verwendet wurden, Tierdarstellungen finden. Als exotisches Beispiel seien hier zwei in Gallehus auf Jütland gefundene Goldhörner aus dem 4. Jh. mit ihren teilweise mythologischen Darstellungen genannt.

Runenschrift in Mitteleuropa
Die Außenfront des Webhauses weist neben den beiden von Zethlinger Urnen stammenden verwendeten Mustern eine weitere Besonderheit auf.

Mit Runenzeichen wurde der Schriftzug „linalaukarf“ über die Eingangstür gesetzt. Im Speziellen handelt es sich hier um Zeichen des „Älteren Futhark“, eines frühen Runenalphabetes, wie es laut Klaus Bemmann bei allen germanischen Stämmen gebräuchlich gewesen sei. Tatsächlich schreibt Klaus Düwel, dass das Ältere Futhark ungefähr vom 2. Jh. bis zum 7. Jh. in Gebrauch war. Es habe sich hierbei allerdings nicht um eine Gebrauchsschrift gehandelt, welche der normalen Nachrichtenübermittlung diente, sondern es handelte sich um kultisch verwendete Zeichen. Einzelne Wörter hatten zumeist eine magische Bedeutung, aber auch jede einzelne Rune besaß ihren eigenen Bedeutungswert. Über die Verbreitung in der hiesigen Region lässt sich feststellen, dass die Runenfunde aus dem 3. bis 5. Jh. sich auf das Gebiet zwischen Weser und Weichsel und von Norddeutschland bis zum Alpenraum erstrecken. Eingeritzt wurden sie nachweislich auf Schabmessern aus Knochen, auf Netzsenkern, an Gräbern, Gedenksteinen oder auf Felswänden aber auch Schmuckstücke wie Brakteaten oder Ringe und Waffen wurden damit versehen. Es ist daher nicht abwegig, dass bestimmte Formeln auch auf Hauswänden angebracht worden sind. Es fehlen hier schlicht und einfach die Nachweise durch archäologische Funde bzw. schriftliche Quellen, trotzdem gibt es ebenso wenig einen Gegenbeweis. So sind zum Beispiel an skandinavischen Stabkirchen des Mittelalters mehrfach Runeninschriften gefunden worden, was darauf schließen lässt, dass es möglicherweise auch auf einer älteren Tradition beruhte, Runen auf Gebäuden anzubringen.

Eine einheitliche Sprache der Zeit lässt sich zwar nicht zweifelsfrei beweisen, aber dennoch kann man eine weite Verbreitung gewisser „Formelwörter“ beobachten. Das hier verwendete „linalaukarf“ stammt von einer Inschrift auf einem Schabmesser aus Fløksand (Dänemark). Die ungefähr aus dem Jahre 350 stammende Formel wird im Allgemeinen mit „Leinen – Lauch – Glück“ übersetzt. Die Interpretationen kann hier also lauten „Leinen und Lauch führen zu Wohlstand“. Gedeutet werden diese Zeichenl durch Klaus Düwel mithilfe einer isländischen Handschrift aus dem Mittelalter als eine „Fruchtbarkeit und Gedeihen“ fördernde Formel.

Vor allem schien der Begriff „laukar“ eine besondere Bedeutung gehabt zu haben, denn er taucht auch auf zahlreichen Brakteaten auf. Diese münzartigen Amulette waren vor allem im 5. Jahrhundert verbreitet. Ursprünglich stammten sie wahrscheinlich aus Skandinavien und gelangten von dort auch nach Mitteleuropa. Diese Schmuckstücke hatten eine dem Talisman ähnliche Funktion indem sie entweder mit Segens- oder mit Schutzformeln versehen waren. So ist auch der Ausdruck „auja“, von Rudolf Simek und Klaus Düwel mit „Heil, Schutz oder Glück“ übersetzt worden.

Damit wird nun dem Grubenwohnhaus der Langobardenwerkstatt ein kleiner Schutzsegen zuteil.

Es wurden also die verschiedensten historischen Vorlagen zur Gestaltung der Lehmhütten herangezogen. Muster fanden sich auf Brettchenborten, Schmuckstücken, Fibeln, Urnen und auf Inschriften. Die Gestaltung konnte erst nach dieser Vorrecherche umgesetzt werden, sodass sich im weiteren Arbeitsabschnitt die Probleme der Umsetzung zeigten.

Farben aus Erde
Zuerst stellte sich die Frage mit welchem Farbträger die Muster auf die Lehmwände aufgebracht werden sollten. Als Untergrund dienten entweder die weißen gekalkten oder die rotbraunen mit gemahlenem Ziegel (Schamott) gestrichenen Wände der Hütten. Die Farbe musste sich somit für den jeweiligen Untergrund eignen, eine gewisse Beständigkeit aufweisen und zudem natürlich auch optisch ansprechend wirken. Pflanzliche Farben können nicht verwendet werden, da sie sehr schnell verblassen, so dass die Wahl auf mineralische Farben fiel. Nun könnte man wohl mittels exotischer Mineralien bunte Fresken zustande bringen, wie es in römischen Villen der Zeit üblich war, aber das würde den Verhältnissen in Germanien nicht gerecht werden. Tacitus schreibt sicher nicht völlig grundlos etwas abfällig über die mit „Erde“ bemalten Hütten. Man muss sich demnach auf die im hiesigen Gebiet vorkommenden Mineralien beschränken. Archäologisch nachgewiesen sind Kalk, Ton und aus Raseneisenerz gewonnenes Eisenoxid. Gerade erst 2010 wurde bei Ausgrabungen in Breitenbach (Sachsen-Anhalt) der bisher wohl älteste Farbfund dieser Art in Deutschland gemacht. In einem 7200 Jahre alten Keramiktopf aus der frühen Jungsteinzeit wurde ein Farbpulver aus eisenoxidhaltigem Ton gefunden.

Ein solches Eisenoxid- Ton- Gemisch lässt sich auch in Zethlingen sehr gut verwenden, vor allem für die vorher weiß gekalkten Lehmwände.

Der Ton band sich mit dem Kalk und das Oxid lieferte die nötigen Pigmente. Je nach Konsistenz konnte somit die Farbstärke variiert werden. Problematisch wurde es allerdings bei den mit Schamott und Lehm geputzten Wänden. Die Oxidfarbe hätte nicht genug Kontrast zum Untergrund aufgewiesen. Beim Webhaus wurde dieses Problem mittels einer Kalkfarbe umgangen, welche sich sowohl als deckend als auch als beständig erwies. An der Vorderseite des Waffenhauses allerdings sollte ein dunklerer Farbton erzeugt werden. Eisen allein reichte dafür nicht aus – obwohl es durch eine hohe Pigmentkonzentration das nötige Dunkel aufgewiesen hatte. Nach dem Trocknen war diese Farbe aber sogar noch etwas blasser als vorher. Auch das beigeben von Ruß erwies sich als Fehlversuch. Dieser verdunkelte zwar die Farbe, ist aber wasserabweisend, sodass sich die Farbe nicht mit dem Untergrund verband und nach dem Trocknen wieder abperlte.

Die Lösung brachte ein Auftragen der Farbe in mehreren Schritten. Da sich der Kalk schon zuvor als ideale Basis für die Eisenfarbe erwiesen hatte, wurde zunächst eine Grundlage des Musters aus mit Eisenoxid und Erde abgedunkeltem Kalk angebracht. Darauf folgte dann die eigentliche Eisenoxid- Ton- Farbe, welche um einen dunkleren Farbton zu erreichen zusätzlich mit Schwarzerde angemengt worden war.

Neben den farblichen Umsetzungsproblemen erwies sich auch das eigentliche Zeichnen als Herausforderung. So war vor allem bei der Anbringung von symmetrischen Mustern Einfallsreichtum gefragt.

Moderne Hilfsmittel wie Wasserwaage und Zollstock oder Messband waren den Germanen noch nicht zu Eigen. Das Aufbringen von geraden Linien konnte sicher mit Hilfe von Stäben oder Schnüren gewährleistet werden, das parallele Zeichnen von Rechtecken, die sich zu einer Bordüre verbinden lassen, konnte entweder nur mit gutem Augenmaß oder mithilfe einfacher Hilfsmittel geschehen. So eigneten sich gespannte Schnüre gut als „Messhilfe“ und Richtschnur solcher Muster. An anderer Stelle wurde die Größe von Kreisen oder die Abstände einzelner Elemente zueinander im wahrsten Sinne „Pi x Daumen“ das heißt mit der Handspanne abgetragen und abgeschätzt.

Experimentelle Archäologie
Das Ergebnis, das nach den Recherchen und der Umsetzung heraus gekommen ist, stellt zwar nur einen kleinen, aber dafür sehr reizvollen Beitrag für das Museumsdorf der Langobardenwerkstatt Zethlingen dar. Das Projekt, das durchaus als archäologisches Experiment verstanden werden kann, bietet Potential für Wiederholungen. So müssen die wetterseitigen Außenwände der Hütten aufgrund der Witterungsbedingungen jährlich in Stand gesetzt werden. („Frühjahrsputz“) Demnach werden auch zukünftig weitere theoretische und praktische Arbeit vonnöten sein, um anhand der gegebenen Ansatzpunkte neue museumsgerechte Konzepte erstellen und umsetzen können.

Verwendete Literatur:

  • Bemmann, Klaus: Die Religion der Germanen. Die Religion der Deutschen bevor sie Christen wurden. Essen 1998.
  • Düwel, Klaus: Runenkunde, 4. Aufl.. (Sammlung Metzler, Bd. 72). Stuttgart, Weimar, 2008.
  • Laser, Rudolf: Die Brandgräber der spätrömischen Kaiserzeit im nördlichen Mitteldeutschland. Mit einer Zusammenstellung der römischen Fundmünzen des 1. bis 4. Jahrhunderts u.Z.. Teil 1: Katalog und Tafeln (Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte Band 7). Berlin 1965.
  • Künzel, Ernst: Die Germanen. Mainz 2006.
  • Krüger, Bruno (Hrsg.): Die Germanen. Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Ein Handbuch in zwei Bänden, Band 1: Von den Anfängen bis zum 2. Jahrhundert u. Z.. Berlin 1976.
  • Krüger, Bruno (Hrsg.): Die Germanen. Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Ein Handbuch in zwei Bänden, Band 2: Die Stämme und Stammesverbände in der Zeit vom 3. Jh. bis zur Herausbildung der politischen Vorherrschaft der Franken. Berlin 1983.
  • Schmidt-Thielbeer, Erika: Das Gräberfeld von Wahlitz, Kr. Burg. Ein Beitrag zur frühen römischen Kaiserzeit im nördlichen Mitteldeutschland (Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle, Bd. 22). Halle/Saale 1967.
  • Simek, Rudolf: Religion und Mythologie der Germanen. Stuttgart 2003.
  • Tacitus, Publius Cornelius: Germania- lateinisch und deutsch. Leipzig 1976.
  • Todd, Malcolm: Die Germanen. Von den frühen Stammesverbänden zu den Erben des Weströmischen Reiches. Stuttgart 2003.


  • Worbs, Rosemarie: Zethlingen– ein Brandgräberfeld der spätrömischen Kaiserzeit aus der Altmark. Halle/Saale 1979.

 

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