Das Schleppdach

 

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Hauptsächlich um die Lehmöfen vor Witterungseinflüssen zu schützen, erhielten bereits 1991 die Öfen, später auch die Kochstelle, Überdachungen. Im Laufe der Zeit wuchsen diese zusammen und wurden miteinander verbunden. Das so entstandene Gebilde wurde 1999 durch ein neues größeres und vor allem stabileres Schleppdach ersetzt, das inzwischen nochmals erweitert wurde. Die Konstruktion beruht auf keinem archäologischen Befund und ist ein reiner Zweckbau mit angepasstem Aussehen. Mittlerweile hat man hier aber durchaus den Eindruck, sich in einem großen Hallenhaus zu befinden.

Die Kochstelle, der Färbeplatz, die Backöfen und der Töpferofen
Unter diesem Dach sind mehrere Gewerke angesiedelt: das Kochen und Backen, das Keramikbrennen sowie das Färben, mitunter das Seife sieden und das Schnitzen. Hier können die Besucher neben Gekochtem und Gebackenem auch den beliebten Honigwein, den Met, probieren.

Die Kochstelle
In germanischen Wohnhäusern waren einfache Herdstellen oder Öfen vorhanden, die bei ungünstigen Witterungsverhältnissen auch zum Kochen genutzt wurden. Der Qualm in den engen dunklen Häusern war allerdings nicht dazu angetan, sich länger als unbedingt notwendig in ihnen aufzuhalten. Wenn die Witterung es zuließ, kochten die Germanen unter freiem Himmel. Sogenannte Sommerherde oder -kochstellen wurden bisher in jeder germanischen Siedlung gefunden. Oft handelte es sich dabei nur um einfache Steinsetzungen. Es wurden aber auch aus Lehm gebaute Herde benutzt.
Der Kochplatz ist eine aus Lehm konstruierte vierflammige Kochstelle mit einem hohen Rauchabzug im hinteren Bereich ein.

Die Backöfen
Zumindest seit der Jungsteinzeit wird auch in Öfen gebacken. Der eindeutige Befund eines Backofens ist in der Altmark allerdings bisher noch nicht erbracht worden. In mehreren hier ausgegrabenen Häusern fand man aber Überreste von Feldsteinkuppelöfen. Es ist möglich, dass in diesen Öfen auch gebacken wurde. Backversuche in einem rekonstruierten Feldsteinofen in Zethlingen ergaben allerdings, dass im Lehmbackofen weit bessere Backergebnisse erzielt werden.
Bei beiden hier verwendeten Öfen handelt es sich deshalb um Lehmbacköfen. Sie wurden als Kuppelofen mit Rauchabzug errichtet. Beim ersten Ofen wurde die Kuppel, die aus einem mit Lehm verstrichen Weidenrutengeflecht besteht, über einer Tenne aus gestampftem Lehm konstruiert.
Nach der Saison 2004 musste der Ofen nach fünfjähriger Nutzung durch einen Neubau ersetzt werden, der alte Ofen brach in sich zusammen. Inzwischen wurde die Lehmtenne des Ofens durch Schamottsteine ersetzt, da diese dem in den Sommermonaten sehr häufigen Gebrauch besser Stand halten. Es handelt sich dabei um einen modernen Kompromiss. Dieser "neue" Ofen hält 2015 schon 10 Jahre lang ohne größere Schäden.
Der größere Backofen wurde über der Lehmtenne, unter der sich eine Rollsteinschicht befindet, aus vorgefertigten luftgetrockneten Lehmformsteinen und Lehm gemauert. Nur der Kuppelabschluss wurde mit Hilfe von Weidenruten fertiggestellt.
Tenne und Mantel haben die Funktion, die Aufheizwärme zu speichern und während des Backens wieder abzugeben. Die Einschuböffnung sowie der Rauchabzug sind bei beiden Öfen offen geblieben. Zum Backen können sie verschlossen werden.
Durch den witterungsgeschützten Standort der Öfen ist deren Erhaltung über einen längeren Zeitraum gesichert. Die beim Aufheizen immer wieder entstehenden Risse haben nur einen geringen Einfluss auf den Backvorgang. Sind die Risse zu groß, werden sie wieder mit Lehm verstrichen. Durch die neu aufgetragenen Schichten erhöht sich die Wärmespeicherkapazität des Ofens und die Qualität des Backvorganges verbessert sich in der Folge sogar.

Der Töpfer- oder Keramikbrennofen
Seit dem Beginn der Jungsteinzeit verstehen es Menschen Keramik zu brennen. Das erfolgte in eigens zu diesem Zweck errichteten Öfen oder im offenen Feuer (Feldbrand). Der hier errichtete Brennofen ist anhand eines Grabungsbefundes aus Krevese bei Osterburg rekonstruiert worden. Der Befund konnte in die Späte Römische Kaiserzeit datiert werden (um 300 nach Christus). Da Teile der Anlage vor der Ausgrabung bereits zerstört waren, ist seine eindeutige Zweckbestimmung nicht ganz sicher. Die Vermutung, dass es sich hier um einen Töpfer- oder Keramikbrennofen gehandelt hatte, liegt aber nahe.
Der Brennofen besteht aus zwei Hauptteilen, dem kuppelförmigen Brennraum und dem in Hauptwindrichtung davor gesetzten zweizügigen Heizkanal. Dieser ist offen mit der Kuppel verbunden. Zentral in der Ofenkuppel befindet sich der Rauchabzug, der gleichzeitig auch als Beschickungs- und Entnahmeöffnung dient. Der Ofenmantel besteht aus einem Rutengeflecht, das mit Lehm verstrichen wurde.
Nachdem der Heizkanal auf die heutige Form verkürzt wurde, sind die erzielten Brennergebnisse sehr gut.

 

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