Das Achtpfostenhaus - Webhaus

 

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Ungefähr 1 km nordöstlich vom Mühlenberg bestand zeitgleich mit dem Gräberfeld eine dörfliche Siedlung. Im Jahre 1980 wurden dort die Reste eines West-Ost ausgerichteten Achtpfostenhauses ausgegraben.
Das Haus hatte ehemals eine Grundfläche von ca. 5 x 3,6 m und stand in einer Grube. Von den tief eingegrabenen tragenden Holzpfosten ließen sich nur noch die Pfostenlöcher nachweisen. Die Pfosten bildeten früher zusammen mit den auf ihnen befestigten Pfetten und dem Firstbalken den Rahmen des Hauses. Zwischen ihnen wurden die Wände verankert. Wegen des durch eine Gasleitung zum großen Teil zerstörten Ausgrabungsbefundes, ließ sich u.a. die Lage des Einganges nicht mehr nachweisen. Wenn er sich in der westlichen Giebelwand befand, muss dass das Gebäude innerhalb einer schützenden Hofanlage gestanden haben.
Weder zur Funktion noch zum weiteren Aufbau des Hauses können aufgrund des unvollständigen Befundes sichere Aussagen getroffen werden, daher ist die hier vorgestellte Rekonstruktion nur eine von verschiedenen Möglichkeiten. Sowohl für die Dachdeckung als auch für den Wandaufbau und den Fußboden wären auch andere Lösungen denkbar gewesen (siehe 16)
Trotz des Fehlens vieler Details sollte der ergrabene Befund, möglichst fundnah rekonstruiert werden. Für das zwischen 1991 und 1993 errichtete Haus waren aber nur die Ausrichtung, die Grundfläche und die Anzahl und Lage der Pfosten vorgegeben. Auf die Eintiefung der Grube wurde anfangs verzichtet. Setzt man voraus, dass das Dach mit Schilf (Reet) gedeckt war, dann muss aus technischen Gründen ein Neigungswinkel von >45° eingehalten werden. Daraus und aus der Größe der Grundfläche ergab sich die Höhe der Rahmenkonstruktion. Die Wände wurden in Lehmflechtbauweise errichtet. Nach der Fertigstellung bekam das Haus einen Kalkanstrich. Zusätzlich wurden später in die Südwand Lichtluken eingefügt, die ursprünglich nicht vorgesehen waren.
Nachdem bereits 2007, wegen der ständigen Witterungsschäden der Dachstand über der westlichen Giebelseite verlängert worden war, konnte im Winter 2008/2009 mit einem weiteren Umbau des Hauses begonnen werden, der im Jahre 2010 zum bisherigen Abschluss gebracht wurde.
Entsprechend des Ausgrabungsbefundes, wurde die Dielung entfernt und der ebenerdige Fußboden ausgegraben. Das Haus bekam eine ca. 80 cm tiefe Hausgrube. Nachdem die Grubenwände versteift waren, wurde eine etwa 20 cm dicke Lehmschicht aufgetragen, die durch die Besucher festgestampft wurde und inzwischen ausgehärtet ist. Nur der Bereich des Webstuhles wurde nicht mit Lehm aufgefüllt, so dass dieser nun in einer Grube steht. Der Eingang bekam eine Innentreppe und der Westgiebel wurde während eines Studentenpraktikums bemalt. Der wetterabgewandte Ostgiebel erhielt zwei große verschließbare Fensterluken. Die alten unfunktionalen Lichtluken an der Traufseite wurden dagegen verschlossen. Zusätzlich entstand an der Ostwand eine Herdstelle aus Lehm und Feldsteinen. Auch der nach 17 Jahren nicht mehr regendichte Heideplaggenfirst wurde ausgebessert und bekam zusätzlich eine Abdeckung aus langem Roggenstroh.
Durch das Ausheben der Grube sowie der Ausmalung und Erweiterung der Ausstattung ist ein völlig neuer Raumeindruck entstanden, der wohl viel eher dem ursprünglichen Erscheinungsbild eines Grubenhauses entspricht als das der ersten Bauphase.

 

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