Der Holzkastenbrunnen

 

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Der vor dem "Webhaus" (10) stehende Nachbau eines Brunnens beruht auf einem Befund aus dem nahegelegenen Städtchen Klötze. 1988 wurde dort in einer Siedlung der Späten Römischen Kaiserzeit ein ca. 3 m tiefer Holzkastenbrunnen ausgegraben. Der Brunnenkasten bestand aus Eichenbohlen. Die Seitenlänge des fast quadratischen Kastens betrug ca. 1,0 m x 1,0 m. Darin befand sich ein Gitter aus Weidenruten, was verhinderte, dass der Eimer beim Herablassen im Schlamm versinken konnte. In der Mitte des Brunnens steckte eine angespitzte Bohle, die senkrecht im Boden steckte. Möglicherweise war daran einmal eine Fördervorrichtung für einen Eimer installiert.
Die Datierung der geborgenen Hölzer ergab, dass das verwendete Holz von einer Eiche stammte, die um 250 n. Chr. gefällt worden war.
Die Zethlinger Rekonstruktion der Brunnenanlage ist nur eine von mehreren denkbaren Möglichkeiten. Im Jahre 2001 wurde die marode Brunnenkonstruktion von 1993, durch eine neue funktionellere Rekonstruktion ersetzt. Da, durch die Lage auf dem Mühlenberg unmöglich ein wasserführender Brunnen gegraben werden kann, handelt es sich im Sinne des Wortes bei dieser Rekonstruktion um keinen Brunnen, sondern eher um eine Zisterne, in die Wasser eingeleitet wird.
Obwohl germanische Siedlungen ausnahmslos an Gewässern errichtet wurden, finden sich in vollständig ausgegrabenen Dörfern trotzdem immer die Überreste von Brunnen.
Brunnen können wahre Fundgruben sein, da sie, nachdem sie aufgelassen waren, häufig zugeschüttet und als Abfallgruben genutzt wurden. U. a. lassen Pollenanalysen aus dem Brunnenschlamm wichtige Hinweise auf die Flora des Brunnenumfeldes zur Zeit seiner Nutzung zu, was sogar Rückschlüsse auf das Klima und die davon abhängigen Lebensumstände der Dorfbewohner ermöglicht.

 

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