Das Sechspfostengrubenhaus - Wohnhaus

 

[zurück zum Rundgang]

 

1982/83 wurden in der mittelalterlichen Wüstung Tychow bei Wallstawe u.a. die Überreste eines Sechspfosten-Grubenhauses ausgegraben. Die Datierung der Funde ergab, dass das Haus aus der Späten Römischen Kaiserzeit stammte, somit war für diesen Platz eine sehr lange Siedlungskontinuität nachweisbar.
Das Grundfläche des Hauses war mit 5,5 x 4,0 m etwas größer, als die des Zethlinger Hauses (10, 16). Es war West-Ost ausgerichtet, der Eingang befand sich in seiner südlichen Traufseite. Ein weiterer Unterschied zum Zethlinger Befund war, dass sich im Hausinneren eine Feuerstelle (kein Ofen) nachweisen ließ. Aus dieser Tatsache schlussfolgerten die Ausgräber, dass es sich hier um ein Wohnhaus gehandelt haben könnte.
Beim Webhaus (10) hatte man bei der Rekonstruktion zu Anfang auf die nachgewiesene Hausgrube verzichtet. Bei diesem Haus wurde dagegen als erstes die Grube ausgehoben und danach das tragende Holzgerüst aufgestellt. Der Zugang zum Haus erfolgt auf einer schräg nach unten verlaufenden Rampe. Im Gegensatz zu den mit Lehm verstrichenen Flechtwänden, entschied man sich bei der Rekonstruktion der Wände dafür, zwischen die Pfosten und Ständer Spaltbohlen einzuziehen und diese dann mit Lehm zu verstreichen. Als Dachdeckung wurde wiederum auf das bewährte Schilf (Reet) zurückgegriffen. Den Fußboden der Hausgrube bildete eine gestampfte Lehmtenne. Von Anfang an war geplant, dass in der östlichen Giebelseite 2 größere Fensterluken offen gelassen werden. Die Erfahrungen aus der ersten Hausrekonstruktion ließen es notwendig erscheinen.
Nachdem die erste Rekonstruktion im Herbst 1997 nach vier Jahren Bauzeit endlich fertiggestellt war, fiel es im Februar 1998 einer Brandstiftung zum Opfer und verbrannte bis auf wenige Reste vollständig.
Der Wiederaufbau erfolgt in den Jahren 1999/2000 auf der alten Fläche. Die 4 Eichenpfosten, die als Tragwerk des Daches gedient hatten, konnten nach dem Brand wieder verwendet werden. Auch die Lehmtenne stammte noch aus der ersten Rekonstruktion. Alles andere musste neu errichtet werden. Im Gegensatz zu den Spaltbohlenwänden, wurden nun die Wände aus senkrecht und waagerecht eingesetzten Holzstaken gebildet, die wiederum mit Lehm verstrichen wurden. Später ist ein Dachboden und auch ein Holzfußboden eingezogen worden, da der gestampfte Lehmboden einen erheblichen Schmutzanfall verursachte und zudem sehr fußkalt war. Aus mittelalterlichen Wohnhütten ist bekannt, dass der Lehm-Fußboden oft dick mit Stroh bestreut wurde, dass je nach Bedarf entfernt und wieder erneuert werden konnte. Das wäre natürlich auch für die gestampften Lehmböden germanischer Häuser eine Option gewesen.

Seit 2014 wird das Haus in den Sommermonaten als Lederwerkstatt genutzt.

 

[zurück zum Rundgang]

 

© 2015 Alle Rechte vorbehalten - Kontakt