Der Kultplatz

 

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Mit der Anlage des Kultplatzes im August 2009 konnte ein Teil des Werkstattgeländes aufgewertet werden, der vorher als Schuttplatz gedient hatte. Durch die Randlage und den trennenden Palisadenzaun ist er vom übrigen Gelände abgetrennt, was für germanische Opferplätze bezeichnend war. Sie befanden sich nie in einer Siedlung. Als Vorbild der Anlage diente ein ursprünglich keltischer, später germanischer Opferplatz im thüringischen Oberdorla bei Mühlhausen sowie zwei hölzerne Kultbilder aus Schleswig - Holstein.
Die Germanen opferten in Mooren, an Seen oder anderen "heiligen Orten" wie Quellen, besonderen Steinen oder Bäumen. Durch das Errichten hölzerner Idole personifizierte man bestimmte Gottheiten. Wie die "Gottesdienste" vollzogen wurden, ist aus der schriftlosen germanischen Frühzeit nicht überliefert. Römische Schriftsteller sind oft nicht sehr glaubhaft und die ältesten germanischen Quellen stammen aus dem frühen Mittelalter, die vielzitierte "Edda" sogar erst aus dem 12. Jahrhundert. Vieles von dem was wir heute über die Opferriten und den Götterkult der Germanen zu wissen glauben, kennen wir erst aus der Zeit der Wikinger bzw. der Christianisierung. So ist auch die Mehrzahl der "germanischen Götter" erst aus dem frühen bis hohen Mittelalter namentlich bekannt. Man darf diese Berichte nicht einfach auf die Germanenzeit und auf das völlig andere Lebensumfeld Mitteleuropas zu dieser Zeit übertragen. Zudem gibt es zwar, teilweise auch anhand von Ausgrabungsergebnissen, Hinweise auf bestimmte Gepflogenheiten, aber niemals Beweise für tatsächlich vollzogene Handlungen. Somit sind viele Aussagen, die heute zum Götterkult und über die Opferriten der Germanen der Frühzeit gemacht werden rein spekulativ.
In Oberdorla bei Mühlhausen ist zwischen 1957 und 1964 ein großer See- bzw. Mooropferplatz ausgegraben worden, den man ca. 1 000 Jahre lang, bis hinein ins 5. Jh. n. Chr. benutzte. Dort wurden vor allem Tier- und Speise-, möglicherweise auch Menschenopfer dargebracht. Man fand sowohl hölzerne Götterfiguren als auch einfache Kultpfähle, die oft als Phallussymbol verstanden werden. Auch Überreste verschiedener Altäre grub man dort aus, anfangs aus Stein, später meist aus Grassoden errichtet. Die heiligsten Bereiche wurden durch das Aufstellen hölzerner "Kultstangen" von anderen Bereichen abgetrennt. Dadurch entstanden Prozessionswege.
Hölzerne germanische Götterdarstellungen sind sonst meist aus Mooren Nordeuropas bekannt, haben sich aber auch dort nur selten bis in die heutige Zeit erhalten. In der Nähe solcher Idole fand man Steinhaufen, möglicherweise die Reste von Steinaltären. So auch neben den bekanntesten und größten hölzernen germanischen "Götterfiguren" Deutschlands. Sie stammen aus dem Aukamper Moor bei Eutin in Ostholstein und wurden dort 1946 nebeneinander liegend gefunden. Möglicherweise sind sie "bestattet" worden. Es handelte sich um eine männliche, noch 2,75 m hohe und eine weibliche noch 2,29 m hohe Eichenholzfigur. Beide Idole besaßen ursprünglich eingesetzte Arme aus zugerichteten Ästen. Allerdings waren nur noch die entsprechenden Löcher vorhanden. Leider wurden bei der Auffindung noch vorhandene Geschlechtsmerkmale verstümmelt bzw. sogar komplett entfernt, auch die Köpfe veränderte man. Die Geschlechtsmerkmale wiesen auf eine Verehrung der Idole als Fruchtbarkeitsgottheiten hin. Sie sollen nach neueren Untersuchungen aus der vorrömischen Eisenzeit stammen.

Die "Zethlinger Götterfiguren" sind 2,80 m bzw. 3,90 m hoch und damit ausgesprochen groß. Sie stellen, recht anschaulich, namenlose "germanische Fruchtbarkeitsgötter" dar.
Da auch an Bäumen und Steinen geopfert wurde, ist eine große Birke mit dem davor liegenden "Opferstein" in die Anlage einbezogen. Obwohl die Germanen langlebige Bäume wie Eichen oder Linden besonders verehrten, war auch die Birke nicht ohne Bedeutung. Sie verkündete mit ihrem frühen Laub das endgültige Ende des Winters und war der Göttin Freya geweiht.
Steine wurden schon immer wegen ihrer scheinbaren Unvergänglichkeit und damit ihrer "Unsterblichkeit" verehrt. Sie galten in vielen Kulturen als Sitze der Seelen Verstorbener. An besonderen Steinen wurde daher im Angesicht der Ahnen Recht gesprochen oder es wurden Ehen geschlossen.

 

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