Wie ging es mit den Langobarden weiter?

 

Um 488/ 489 kamen die Langobarden unter ihrem fünften König Godeoc im Land der Rugier, dem Rugieland (heute etwa Mähren und Niederösterreich, nördlich der mittleren Donau) an. Hier verdichtet sich die Quellenlage nun so sehr, dass es von nun an keine Probleme mehr bereitet, von dem Stamm der Langobarden zu sprechen. Nach 3 Jahren kam es zwischen den Langobarden und den benachbarten ostgermanischen Herulern, denen sie wohl tributpflichtig waren, zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Diese wurden in einer großen Schlacht, die zwischen 505 und 508 stattfand entschieden. In dieser Schlacht besiegten die Langobarden unter ihrem König Tato die Heruler vernichtend. Danach besetzten sie die herulischen Siedlungsgebiete und traten deren Nachfolge als Beherrscher der mittleren Donau an.

In der anschließenden dreißigjährigen Regierungszeit König Wachos festigte sich die Herrschaft der Langobarden. Wacho betrieb eine geschickte Politik und war stets um Ausgleich mit den expandierenden Franken, Ostgoten und den byzantinischen Kaisern bemüht. Unter König Audoin, Wachos Nachfolger, drangen die Langobarden 546/ 47 weiter nach Süden vor und besetzten mit Billigung bzw., sogar mit Unterstützung des Kaisers Justinian I. nun ganz Pannonien. Der Kaiser hatte ihnen zuvor das Land der Noriker „geschenkt“. Nun wurden sie Nachbarn und Rivalen der mächtigen, mit den Goten verwandten, Gepiden. Kriegerische Auseinandersetzungen, von Justinian angestachelt, ließen nicht lange auf sich warten. Bereits 547 kam es zu ersten Kriegshandlungen. Aus Furcht voreinander, fanden aber immer wieder Waffenstillstandsverhandlungen statt, die zwar mehrfach hintertrieben wurden, bis 551 aber einen relativen Frieden zwischen beiden Völkern sicherten. 551 aber war es mit dieser Ruhe endgültig vorbei, die Langobarden drangen ins Gepidenland ein und besiegten diese unter Führung eines Schwagers König Audoins, des Thüringerprinzen Amalafridas. Um nun aber die Langobarden nicht zu mächtig werden zu lassen, „ersuchte“ Justinian sie um die Stellung von Hilfstruppen für den Kampf gegen die Ostgoten in Italien. Das schwächte, wie beabsichtigt, die Kampfkraft der Langobarden in Pannonien erheblich. Nachdem 552 die Ostgoten besiegt waren, wurden die plündernden und mordenden Langobarden, reich beschenkt, durch zwei byzantinische Heeresabteilungen aus Italien „herausgeleitet“. Italien muss den Langobarden aber gut gefallen haben, denn nur 16 Jahre später zog es das gesamte langobardische Volk dorthin zurück.

Audoin starb um 560 und Alboin, dessen Sohn wurde als zehnter König der Langobarden dessen Nachfolger. 565, nach Justinians Tod, kam es zwischen Langobarden und Gepiden erneut zum offenen Krieg. Nachdem die Gepiden anfangs unterlegen waren, verbündeten sie sich nun ihrerseits mit Byzanz und besiegten in einer erneuten Schlacht die Langobarden. Deren Position wurde nun so prekär, dass sie sogar ein Bündnis mit dem unberechenbaren, aus Innerasien stammenden Reitervolk der Awaren eingingen. 567 besiegten die Langobarden das gesamte Heeresaufgebot der Gepiden und töteten deren König möglicherweise sogar ohne die Hilfe der verbündeten Awaren. Auch darüber gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen. Im Ergebnis der für sie zwar siegreichen Schlacht standen den Langobarden nun, die als unbesiegbar geltenden Awaren gegenüber. Diese hatten die von den Kriegern entblößten gepidischen Gebiete in der Zwischenzeit fast kampflos besetzt. Damit war den Langobarden plötzlich ein neuer mächtiger Gegner erwachsen. Sie hatten die Awaren ins Land gerufen, obwohl sie wussten, dass diese unberechenbar waren. Man hatte versucht den Teufel mit Beelzebub auszutreiben und musste nun erkennen, dass die neue Nachbarschaft existenzbedrohend werden konnte. Daher beschloss Alboin mit seinem Volk in das ihnen gut bekannte Italien zu ziehen. Die Byzantiner unterhielten seit 562 in Norditalien nur noch kleine Garnisonen, weil das Land nach dem Sieg über die Goten als befriedet galt. Zudem mussten sie sich inzwischen an vielen anderen Fronten verteidigen. Im Frühjahr 568 brach Alboin mit dem gesamten Stamm auf und verließ Pannonien. Man „überließ“ das Land den Awaren, allerdings unter dem vertraglich fixierten Vorbehalt jederzeit zurückkehren zu können. Verstärkt durch 20 000 befreundete sächsische Krieger mit deren Frauen und Kindern und vielen anderen unterworfenen oder befreundeten Völkerschaften zog man los. Heutige Schätzungen besagen, dass zwischen 100 000 und 300 000 Menschen mit Alboin nach Italien zogen.

 

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